250 Jahre Wallfahrtkirche Mariaort
Zunächst eine kurze Beschreibung der Geschichte der Wallfahrtskirche Mariaort aus der Sammlung von Egon Gröschl:
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| Sammlung Gröschl: Kopie vermutlich aus dem "Sulzbacher Kalender" |
Von der Entstehung der Marienwallfahrt in Mariaorth berichtet ein "Flugblatt", das ich von Herrn Sack
erhalten habe.
Im Staatsarchiv Landshut gibt es einen Akt der Kirchenadministration in Straubing, der sich mit dem großen Umbau der Mariaorter Wallfahrtskirche im Zeitraum von 1769 bis 1775 beschäftigt. (StA Landshut Kirchenadministration A 93)
| Foto Pongratz: Wallfahrtskirche Mariaort im Februar 2023 |
Der Bauakt beginnt mit einem Schreiben des Kelheimer Kastenvogtgerichts vom 18. Februar 1769 und stellt durch seine Struktur bereits ein Antwortschreiben dar, auf eine - nicht im Akt überlieferte - Aufforderung der Regierung in Straubing, da der Kelheimer Verweser Johann Lorenz Paur davon spricht, dass er mit seinem Schreiben einer Aufforderung der Regierung vom 16. November des Vorjahres nachkomme.
Die Regierung in Straubing hatte das Kastenvogtamt Kelheim - mit strafbewehrter Angabe einer Frist - aufgefordert, über den "Kirchenpau zu Ohrt" und den Eilsbrunner Pfarrer zu berichten und darüber auch einen "Riss: und Yberschläge" - also einen Bauplan und Angebote - machen zu lassen.
So ganz an die geforderte Frist von 2 Wochen hatte sich der Verweser des Kastenvogtgerichts, Johann Lorenz Paur, mit seiner Antwort nicht gehalten. Anstelle der gewünschten 2 Wochen hatte er sich gut 6 Wochen Zeit gelassen, aber immerhin.
Aus dem Kontext seines Schreibens: "Da nun der Kürchenpau zu Aufrecht-Haltung, villmehr widerummiger Emporbringung der Uralten Wallfaht höchst nöthig", und aus Einlassungen in einem folgenden Brief, kann man wohl schließen, das mit dem Bau, respektive mit dem vorherigen Abriss des alten Baukörpers, bereits begonnen worden war.
Der Eilsbrunner Pfarrer Hopp habe versprochen - solange der Kirchenbau dann eben dauern würde - jährlich 100 Gulden aus eigenen Mitteln beizutragen. Im Mariaorter - "Zöchschrein" (= die von dem Kirchenprobst zu verwaltende Kirchenkasse) sei so viel an Geld vorhanden, dass mit dem Bau zumindest bereits schon mal begonnen werden und mit dem Inhalt des Eilsbrunner Zechschreins das Ganze auch zu einem guten Ende gebracht werden könne.
JL Paur, der Kelheimer Verweser, reicht den Bauplan zusammen mit der vorläufigen Baukostenschätzung über gut 4030 fl bei der Regierung ein, und bittet die Regierung, dass der Pfarrei Eilsbrunn erlaubt werde, diese Baukosten vorzuschießen. Diesen als Bitte vorgetragenen Vorschlag untermauert der JP Paur noch mit dem Hinweis, dass "bevorab lestberührtes Pfarrgotts-Haus ehevor solches zu mitlen gekommen, von diser Filial-Kürchen unterhalten worden". Es scheint also so gewesen zu sein, dass in vorherigen Jahrhunderten die "reichere" Wallfahrtskirche Mariaort die "ärmere" Mutterkirche Eilsbrunn alimentiert hatte. Darüber hinaus bittet der Verweser auch darum, dass Mariaort einzelne Schuldposten, die unverzinslich an mehrere andere Pfarrkirchen ausgeliehen worden waren, nun kündigen dürfe. Auf gut 104 Gulden beliefen sich diese unverzinsten Aktiva.
Nach dem (Antworts-) Schreiben für die Regierung und einer offensichtlichen Nachfrage von Seiten der Kirchenadministration in München schreibt Paur im Mai 1770 erneut an die Regierung in Straubing, und geht zunächst vor allem auf die Rückforderung der gut 104 Gulden von den anderen Pfarrkirchen ein.
In diesem Schreiben argumentiert geht er auch mit der Wallfahrt selber und schreibt:
"...das dieses eine uralt wunderthätig wohlbeträchtliche auch vast täglich absonderlich an denen Frauentägen sehr frequentierte Wahlfahrt seye und zur Herstellung dieser Filial die höchste Nothwendigkeit antreibe." Dies ist der zweite Hinweis, dass die Wallfahrtskirche Mariaort im Jahre 1769/70 bereits eine Baustelle gewesen ist, der Bau somit zu dem Zeitpunkt bereits im vollem Gange war.
In seinem zweiten Schreiben möchte der Verweser aber die Genauigkeit seiner ursprünglichen Kostenschätzung nicht mehr stehen lassen; dies um so mehr "zumallen nicht bekannt, was und wievill von ainigen Guettthätern am materialien gratis beygeschafft werden würdt."
München und nachfolgend auch die Kirchendministration genehmigen grundsätzlich die Entnahmen der Baugelder aus dem vorhandenen Kirchenvermögen der beiden Kirchen. Beiden Behörden ist es jedoch besonders wichtig, die vom Eilsbrunner Pfarrer Hopp zugesagten jährlichen 100 Gulden sich vom Pfarrer zusichern zu lassen.
Im Jahre 1771 - der Abriss der alten Kirche ist erfolgt und der Bau schreitet voran - stellt sich allerdings heraus, dass die Barmittel, die in den "Münzzetteln" beider Kirchenrechnungen ausgewiesen sind, bei weitem nicht ausreichten, um den Bau fertigstellen zu können und sowohl der Verweser Paur als auch der Pfarrer Hopp suchen um Genehmigung nach, weitere Finanzquellen zu erschließen. Vor allem andere Pfarrkirchen sollten hier einspringen bzw. mit lange ausstehenden Rückzahlungen aushelfen,
Aus einem Schreiben des Eilsbrunner Pfarrers Hopp erfahren wir weitere Details des Kirchenbaus.
Verweser Paur konstatierte im Frühsommer 1771, dass "zu gegenwärtiger Stunde auch die Grundveste- und hirauf nach dem Riß ein weniges an Gemauer hergestellt" sei und auch "die Zimmerleute haben deren benöttigte Arbeit unter Hand"
Beide Schreiben bitten München und die Regierung in Straubing um die Zuweisung kurzfristiger Mittel. Vor allem Pfarrer Hopp geht der so lange - für ihn wohl zu lange - andauernde Bau an den Geldbeutel und so werden seinen Bittbriefe um Hilfsgelder immer dringender, er befürchtete sogar, dass der Bau aus Geldmangel eingestellt würde.
Schuld ist seiner Meinung nach der Kastenvogtgerichtsbeamte in Kelheim. Hier gleich die erste Seite des Brandbriefes des Pfarrers Hopp an die Regierung und, wie damals üblich, schreibt der Pfarrer eingesprengte lateinische Wörter nicht in der Kanzleischrift, sondern mit lateinischen Buchstaben.
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| (StA Landshut Kirchenadministration A 93) |
Durchleüchtigster Churfürst gnädigister Herr, Herr
Eur chrfrtl. Drlt. haben dem Kellheimbischen Castenvoggtgerichts Beambten schon sub dato 29. octobris abgewichnen Jahrs 1771 den gnädigsten Auftrag gethan zu Fortsezung des angefangnen Ortischen Kürchenbaus die ausständige Interessen Effective einzubringen, und obschon zum öfftern darauf negiret, hab ich doch bis dato kein Effect verspihrt, dass aso anheur die schönste Bauzeit fortsezen ware, weil verwichnes iahr die Zechschrein Paarschafftenn völlig erschöpfet, auch ich über das daran empfangne gelt mehr dan 800 fl ex propriis vorgeschossen habe, mithin auch nit weiters mehr vorstreckhen kan.
Ich hab zwar von dem Eylsprunn Zechprobst verstanden /: dan kein Kürchrechnung schon 2 iahr gehalten worden:/ das besagte Castenvoggtgerichts Beambte den jüngsthin verwichnen 13. May die Debitores nachher Kellheimb citiren lassen, sye aber wenig oder gar kein Interesse von solchen abgerichtet worden, sondern ieder habe ain Abschiedgelt bezahlen müessen. Das heist warhafftig Effective eintreiben sulices (wohl direkt) in den Beutl des Beambten aber nit zum Nuzen der Kürchen. Ich kan mir zwar leicht einbilden, das disser Beambte ex inveterata passione und mir zum Trotz die Eincassierung nit betreiben will, es hat aber die Kürchen doch......
Unter "Interesse" ist hier die Zinszahlung für die aufgenommenen Schuldkapitalien zu verstehen.
"ex inveterata passione" würde ich mit " aus alter Abneigung" übersetzen.
"ex propriis" bedeutet hier "aus der eigenen Tasche"
In seinem ersten - von drei - Schreiben - vom 1. Juni 1772 - erfahren wir von einer mangelhaften Bauausführung der "Galgenberg=Fenster" durch den Stadtamhofer Glaser Wolfgang Böhm. Der "Galgenberg" ist die zum Mariaorter Kirchenkomplex gehörige und weit sichtbare kleine Kapelle am Felsensporn in Richtung auf die Donau zu. Der Glasermeister hatte offensichtlich nicht nur mangelhafte Arbeit abgeliefert, sondern, um dem ganzen noch den Gipfel aufzusetzen, hatte er - bzw. seine Kinder und Erben, denn der Glasermeister war mittlerweile verstorben - sein Angebot erst nach Abschluss seiner Leistungen vorgelegt und Pfarrer Hopp weigerte sich nun diesen Baurapport zu unterschreiben und somit die Leistung zu bestätigen. Ein von ihm beauftragter Kelheimer Gutachter bestätigte die Baumängel und, um die leidige Angelegenheit abzuschließen, bietet er an, einen weiteren unparteiischen Gutachter hinzuzuziehen, allerdings weigert er sich gleich sicherheitshalber, solch einen Gutachter auch bezahlen, zu müssen, denn: "Die Kürchen v. Orth hat dermahlen das Gelt nit zum hinschenckhen."
Pfarrer Hopp beschwert sich, das das KVG bei einer anstehenden Vergandterung (Zahlungsunfähigkeit mit drohendem Zwangsverkauf) eines Bauern Hackelsberger aus Dietenhofen, zuviele Jahre ausstehenden Zinszahlungen einfach zugesehen hätte, bis sich nun zu den 30 Gulden der Kreditsumme sogar fast noch einmal eine solche Summe an nicht bezahlten Zinsen aufsummiert hatte. 24 Gulden 30 Kreuzer war der Bauer bereits an "Interessen" im Rückstand.
Der vom KVG vorgeschlagene Nachlass von 50 Prozent der Schulden - Pfarrer Hopp nennt dies "Halbscheid" - kommt für ihn nicht in Frage, weil Eilsbrunn bereits jetzt schon nicht mehr wisse, wie sie die laufenden Ausgaben stemmen sollte. Als Beispiel, wie sehr die Finanzmisere Eilsbrunns sich bereits im täglichen Leben der Pfarrkirche auswirkte, führt er das "ewige Licht" in der Kirche an, das sie auslöschen mussten.
Pfarrer Hopp lässt sich offensichtlich davon überzeugen, denn in seinem nächsten Brief, geschrieben im Oktober 1772 spielt die Sache Hacklsberger keine Rolle mehr, vielmehr ärgert es ihn, dass die Rechnungslegung der Pfarrei Eilsbrunn, - das KVG Kelheim hatte hier die Federführung und Aufsicht inne - der beiden Vorjahre noch nicht abgeschlossen war und er sogar noch auf Teile seiner eigenen Besoldung warte. Der Gipfel der Frechheit war für ihn aber, dass, als er nach Kelheim reiste, um dort - wie ihm angeblich zugesagt worden war - seine ausstehende Besoldung abzuholen, er dort schnöde mit der Aussage: "Es seye dermahlen kein Gelt vorhanden" kalt abserviert worden war.
Mit diesem Brief erfahren wir auch fast nebenbei, dass "defacto /:Gott sei Lob:/ - der Kirchenbau - unter dem Dache stehet."
Mitteleuropa hatte in den Jahren zwischen 1770 und 1773 eine Erntekatastrophe zu erleiden, bei der nicht nur viele Menschen verhungerten, sondern vor allem auch die Finanzströme empfindlich unterbrochen wurden, weil die Lebensmittelpreise explodierten.
Wer sich hierüber genauer informieren möchte, kann dies unter folgendem link gut nachlesen.
Daran hatte sicherlich auch die "vorgewesten Mißjahr und abgewlt allgemeine Noth" mithineingespielt, hauptsächlich jedoch sei es der Pfarrer selber gewesen, der zwar bei einigen Schuldnern "keine Ruhe gegeben , bis er das Geld durch beständiges Schreiben und Schicken zu dem orthischen Kirchenbau herausgepresset" habe andererseit jedoch " bey dem Gotts= und Schulhaus zu Eulsprunn viele unnöthige reparationes vernemmen lassen und verschiedene Kirchen Einrichtungen beygeschaffet, ohne bey disortigen Kasten Vogt Gericht zu erkundigen, ob und wie weit hierzu die jährlichen Einkünften hinreichend seyen."
Aus eben diesem Grunde sei " der Pfarrer mit seinem vormemerkten Besoldungsrest hindan gerichtet worden.
Auch die Stadt Kelheim, bei der Pfarrei Eilsbrunn mit 2600 Gulden in der Kreide und ebenso wenig der Kelheimer Gastwirt Ferdinand Kaasirer - mittlerweile pleite - mit 1000 Gulden, als die zwei größten Schuldner und Zinszahler sind bereit seit 5 Jahren mit ihren Raten im Rückstand.
In manchen Fällen kam es wegen der zahlungsausfälle dann zur sogenannten "Verganterung" und danach zu einem Konkursverfahren mit Zwangsversteigerung.
Solche Zinseinnahmen aber waren die Haupteinnahmequelle aller Pfarreien und so auch für Eilsbrunn. Der Bau der Mariaorther Wallfahrtkirche drohte aus Geldmangel eingestellt zu werden.
Für die Orgel in Eilsbrunn und für neue Messgewänder - "Alben - hatte er Gelder verwandt, die eigentlich dem Bau hätten dienen sollen.
Als Paur die - von Hopp ja geforderten - Rechnungen vorliegen hatte und Pfarrer Hopp aufgefordert worden war, zur Unterschrift nach Kelheim zu kommen, sei dieser ohne Absprache plötzlich vor Ort aufgetaucht und hätte danach die Unterschrift verweigert, weil darin die von ihm angeordneten, jedoch nicht autorisierten Sonderausgaben nicht aufgeführt waren.
Unverrichteter Dinge sei Hopp wieder abgereist, um nun nachträglich die fehlende Rechnungslegung zu kritisieren.
Nun seien allerdings bereits 3124 Gulden an Baukosten angefallen und der Bau besteht erst aus dem gemauerten Kirchenschiff und einem Dache. Mit dem Turm sei noch nicht einmal begonnen worden.
Und da mit der Stadt Kelheim und dem Brauereibesitzer Kaserer die zwei Hauptgläubiger der Eilsbrunner Pfarrei ausgefallen waren, drohte nun der Bau sogar eingestellt zu werden.
Obwohl die Regierung bereits die Hand auf die Gefälle des braunen Brauhauses in Kelheim gelegt hatte, und auch den Konkurs des Kaserers eingeleitet hatte, beides Maßnahmen, um den Eilsbrunnern zu einigen ihnen zustehenden Einnahmen zu verhelfen.
Dem Pfarrer Hopp bescheinigte er nicht nur eine eher schlampige Ausgabenkontrolle - ja sogar, siehe obiges Zitat, eine absichtliche Verschleierung der tatsächlich zu erwartenden Baukosten.
Hopp habe keine "genuegsame Einsicht" und will sich auch nicht von "anderen verständigen Leuthen nichts einratten" lassen, "folgsam ihm die Arbeitsleute nur verlachen" würden.
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| Unterthänigst Gehorsamster Johann Lorenz Pauer Mp Verweser datiert den 22.Xbris anno 1772 |
"So seind nur mehr zween weeg übrig; nemlich das man mit dem Bau genzlich an sich halte, bis Zins und ausstand bey anhoffent bessern Zeiten eingebracht werden können, oder das gegen widerumige ersaz ohne Zins ihr aus neuen mitln den angefangenen Bau vollendet.... Hierüber gewarthigen wir euer erklerung.
"Übrigens", so schrieben die Straubinger dem Eilsbrunner Pfarrer noch ins Gebetbuch, "hoffen wir ihr werdet Euch firwerts mit dem Beamten so vertragen, daß wir von ferneren Beschwerden enthoben werden, gleich wir auch dem Beamten das erforderliche dissfahls bedeiten lassen haben."
"Nota: dem Beamten zu Kelhaim mit dem letzten Anhang"
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Durchleuchtigster Churfürst gnädigster Herr, Herr
Von einer hochlöbl. Kürchendeputation in Straubing ist mir sub dato 5. Marty anni currentis der schmerzliche Vorwurf gemachet worden, als hätte ich den Kürchenbau in Orth mehrer gehemmet als befördert, welcher Vorwurf wahrhafftig den Muth und Eifer eines Pfarrers mehr hemmen als aufmuntern mus. Darf wohl sagen, das wan ich nit durch vorstreckhung meines gelts den Bau hätte fortgesezet, so liegete selber noch defacto auf dem Plaz und wären die Materialien halb zu grund gegangen. Das neue Gottshaus haltet in der Länge 118 Schuech in der Liechte: in der Braithe aber 38 Schuech: und in der Höch 40 Schuech: der Grund hat in der Tiefe und Braithe 7 Schuech. Der Anfang zum Grundlegen ist gemacht worden dem 11. April 1771 und dem 10 Octobris 1772 ist das Zimmer gehebt, und das Gebau vollkommen unter das Dach gebracht worden, welche Zeit wahrhafttig nit vor lang anzusechen ist /:wie man mir in den Schreiben hat wollen zu verstehen geben :/ anerwogen ein so grosses gebau nit in ainem iahr kan aufgefihrt werden, wie ein ieder maister wird beurtheilen müessen. Wäre mir auch ganz recht gewest, wan es dem Mauerer und Zimmermaister geschwinder vonstatten gangen wäre, und mit Liferung der Baugelter besser wäre zu gehalten worden.
Was bis auf das laufente73. iahr exclusive an Materialien und Arbeithslohn consummirt seye worden zeigt die maiste /: doch nit alle:/ der beiliegende Auszug oder Specification; aus welcher ein hochlobl. Kürchen Deputation zu ersehen beliebe, das der einzige Maurer- und Zimermannslohn ohne beyrechnung der Material die Bauschillings Summe fast adaquiert, da doch das gebau erst unter dem Dach stehet, mithin wie exorbitant improportioniert die Maurer und Zimmermaister überschläg gemacht seyn worden.
Zu diesem Bau hat mir der Kellheimische Casten=Voggt=Beamte dem 6. April heurigen Jahrs 1773 mit 905 fl die so geringe Bauschilling erst vollkommen behändiget, wan ich also nit mehrer gelt, als der Bauschilling auswarf, intermim vorgestreckt hätte, so müeste ia nothwendig der Bau defacto noch auf dem Blaz ligen.
Mit was Grund kan man mir worwerfen, das ich dem Bau ehenter gehindert als befördert habe? Wahrhafttig nit, ich als der ich interim dem Bau aus meinen Peutl fortgesezt habe,....
Der Pfarrer wiederholt in seiner Erwiderung nicht nur - trotz der Aufforderung von Seiten der Kirchenadministration sich mit dem Beamten in Kelheim zu vertragen und zu mäßigen - seine Vorwürfe an den Kastenvogtgerichtsbeamten Paur sondern empört sich auch darüber, dass die Straubinger Behörde diesem Manne überhaupt soviel Gehör schenkt.
Sein Kirchenbau sei auch überhaupt nicht "pompös", sondern in seiner Größe und auch Ausstattung durchaus angemessen und vieler kleinere Kirchen wären in der Vergangenheit wesentlich teurer im Bau gewesen als sein Kirchenbau in Mariaorth.
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| Specification Der ienigen Unkösten, welche bey dem Kürchenbau zu Maiaorth pro anni 1770:71 et 72 auf Maurer und Zimmerman arbeith auf Materialien und Bauinstrumenter erlofen sind. |
Im Mai 1773 antwortete Pfarrer Hopp auf die Vorwürfe von Seiten des Verwesers und empörte sich erneut über die Zumutung, er würde mit seiner Bauführung den Bau eher hemmen als fördern.
Mit einem Schreiben vom 3.Juni 1773 wiederum möchte Straubing vom Verweser erneut erklärt bekommen, was denn für Probleme anstünden, wie die Gesamtkosten sich darstellen würden und endet seine Aufforderung mit dem Zusatz:
Der Verweser lässt dieses Mal nicht viel Zeit verstreichen, bestellt die verantwortlichen Maurer- und Zimmermeister am 12.7.1773 zu sich ein und schickt mit seiner Antwort auch das Protokoll dieser Befragung zurück.
So bey Vernehmung des Mauerer= und Zimmermeisters zu Stadt am Hof wegen dem noch nicht völlig hergestellten Kirchenbau zu Mariaorth, und was über das bereits hergestellte noch für weitre Arbeit und Unkosten erforderlich seyn dürften, gehalten worden den 12ten Junius ao 1773.
Nachdem die vorher angepeilte Bausumme bereits verbaut war, kamen die beiden Baumeister auf weitere 3200 Gulden, um den Rohbau fertigstellen zu können.
Die Kosten der noch fehlenden Nebengewerke trauen sich die beiden Handwerker nicht einzuschätzen und fordern dafür eigene Angebote, so dass aber Endkosten von bis zu 12000 Gulden nicht ausgeschlossen werden können
In der letzten Sitzung behandelten wir seine Antwort auf die Frage, wie die Kosten für den Bau derart aus dem Ruder hatten laufen können.
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| StA Landshut Kirchenadministration A 93 |
So zu unterthänigster Folge des von der churfürstlich hochlöblichen Kirchendeputation Straubing sub dato 3. Junij et praes: 20ten Julij hieher erfolgt gnädigsten Befehls bey der auf anheut mit den sämmtlichen Kirchenrestanten der beyder Gottshäuser Eulsbrunn und Orth gepflogenen Cumulativ Behandlung, gehalten worden den 28ten Augustmonaths anno 1773
Vom dißortigen Pfleg=und Commissions Gerichte Kellheim ist gemäß Nebenlage die verlangte Antwort dahin erfolgt, daß selbes von noch beyhabend braunen Stadtbräuhaus administrations wegen an nebenfindigen Interesse ausstand, wenn auch ein Geld verhanden wäre, wegen von höchsten orten ergangener Inhibition aller Zahlungen, weder viel noch wenig abrichten können, also anzusezen
--fl -- xr -- H
Heer Franz Peter Freyherr von Rosenbusch auf Eichhofen und Viehhausen ab 400 fl Jahrtagskapital das dießjährige 1773te Interesse mit 20 fl
Latus 800 fl"
Zusätzlich benötigten die beiden Kirchen auch noch Summen zur Bestreitung ihres Jahresaufwandes, was die ehe schon sehr geringen Zinseinnahmen noch um ein großes Stück reduzierten.
Nro 7 Hanns Ederer Taglöhner welcher auf obige weis 141 3/4 Tag zuegebracht und erhalten 18 xr 42fl 32 xr.
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| Foto W. Sack: So sieht der Mittelaufgang zum Altar in der Kalvarienbergkirche heutzutage aus. Ob Teile davon noch aus dem Abbruch der ganz alten Wallfahrtkirche stammen ist -noch - unbekannt. |
Der Streit der am Bau beteiligten geht weiter. Die Briefe zwischen der Kirchenadministration, dem Konsistorium in Regensburg, dem Kastenvogtgericht in Kelheim und dem Pfarrer Hopp gehen hin und her, wobei der Pfarrer mit seinen Vorwürfen gegen eine schlampige Amtsführung des Kastenvogtgerichtsbeamten Paur langsam an Gewicht gewinnen. Dies vor allem, weil Pfarrer Hopp offensichtlich mit recht seine Unterschrift unter die letzte Jahresrechnung - 1773 - verweigerte, weil sich ein Fehlbetrag ergab, den die Kelheimer nicht erklären konnten.
Hopp berichtet von laufend wechselnden Gerichtsschreibern, die nun nicht mehr befragt werden können, listet weitere Verfehlungen der Behörde auf und wehrt sich mit kräftigen Worten dagegen, für sein - seiner Meinung nach korrektes - Verhalten sich solche ehrenrührige Vorwürfe gefallen lassen zu müssen.
Hier eine Schriftprobe eines Anschreibens der Straubinger Kirchenadministration mit einer Aufforderung an den Kastenvogtgerichtsbeamten Paur..
Lanz geschrieben
Bhrt. = kurz für Bericht
orgl: = orginaliter
remission = Zurücksendung
sind dir anbei etc: auch hier spart sich der Entwerfer des Schriftstücks die Langform, die später für korrekte und höfliche Beendigung solche eines amtlichen Auftrags im Reinschreiben eingesetzt worden ist.
9bris = November
Lanz geschrieben: der Schreiber der Behörde, der dann das Exemplar geschrieben hat, das abgeschickt wurde, hieß Lanz.
Wir haben aus eurem Bericht entnommen, daß die gänzliche Ausführung des Kirchen=Bau zu Ort die von uns bereits ratificirte Überschläge weit übersteiget, und also noch hierzu nach den Überschlägen 3753 fl: 36 xr erforderlich sind.
Wenn nun erwehntes Gotteshaus in dem dermahlig ungebauten Stande nicht verbleiben kann; so wollen wir es hierinnen durchgehends bey eeurem Gutachten belassen: das also nach euren gemachten Vorschlage der Bau vollendet werde. Sind euch anbey mit Gnaden gewogen, München den 25ten Juny ano 1774"
Es geht um den Wert der Münzen und Medaillen - hier "Anhäng" genannt - , die sich in der Wallfahrtskirche befanden.
45 Underschiedliche alte Thaller, welche mit öhrlen meistens Leschen, und einige hiervon vergoldet sind
Am Ende noch ein paar harte Fakten aus dem bisher bearbeiteten Akt:
- Mariaorts Grundherr war das Kastenvogtgericht Kelheim.
- Der Neubau der Wallfahrtskirche Mariaort war ursprünglich auf gut 4030 Gulden angesetzt worden.
- Der Eilsbrunner Pfarrer Hopp versprach, in jedem Jahr, solange der Kirchenbau dauern würde, 100 Gulden aus seiner eigenen Tasche zuzuschießen. (Setzt man den Gulden mit bekannten Lebensmittelpreisen aus dieser Zeit in Beziehung - z.B. dem Bierpreis - so liegt die Kaufkraft eines Gulden sicherlich weit über einem heutigen Betrag von 100 Euro, so dass der Kirchenbau in heutiger Währung mindestens 1/2 Million gekostet haben würde und Pfarrer Hopp dabei in jedem Jahr gut 10000 Euro aus seinem Privatbesitz hinzugegeben versprochen hatte.
- Die Ende des 18. Jahrhunderts als wohlhabend geschilderte Pfarrei Eilsbrunn verdankte ihren Reichtum offensichtlich wesentlich auch der prosperierenden Wallfahrt in Mariaort.
In der Eilsbrunner Kirchenrechnung von 1761 (Gemeindearchiv Sinzing) weist die Pfarrei einen Kapitalstock von über 14.000 Gulden aus, von denen der Großteil gegen 5 prozentige Verzinsung ausgegeben war. - Die Grundsteinlegung war am 11.4.1771 und der Rohbau war 10. Oktober 1772 unter Dach und Fach. Bei der Grundsteinlegung wurde eine Zinntafel mit Inschrift vergraben.
- Die Nahrungsmittelkrise - hervorgerufen durch sehr feuchte Sommer und langandauernde Winter der Jahre 1770-1773 ließ die Zinseinnahmen der Pfarrei Eilsbrunn zusammenschmelzen.
- Der Bauplan und die Kostenvoranschläge für den Rohbau stammten von Stadtamhofer Handwerksmeistern, dem Maurer Christoph Thomas Wolf und dem Zimmermeister Johann Rieschammer (an anderer Stelle Rieghammer).
- Pfarrer Hopp benutzte - vielleicht auch plünderte - die Barschaften sowohl der Kirche Eilsbrunn als auch die von Mariaort und Riegling.
- Regensburger Juden wurden benötigt, um die Kleinstmünzen und auswärtigen Münzen, die sich im Zechschrein der Kirche angesammelt hatten, in die gängige Währung und und vor allem in große Münzwerte umzuwandeln.
- Die Seitenaltäre aus der abgebrochenen Wallfahrtskirche wurden in die Kalvarienbergkirche transferiert.
- Das Steingewände und die Stufen des Eingangsbereiches stammen vom abgerissenen Vorgängerbau.





















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